• Regine Egger

Machen Massenger einsam?

Ich habe WhatsApp & Co.von meinem Smartphone gelöscht. Bis zu diesem Tag, lief meine Kommunikation zunehmend und am Ende fast ausschließlich über Messenger Dienste. Telefonate wurden seltener aber dafür verbrachte ich viel Zeit damit Nachrichten zu tippen oder Sprachnachrichten zu versenden. Manchmal unterbrachen Textnachrichten sogar Gespräche vor Ort mit Freunden. Besonders am Geburtstagen machte es mich traurig, mit einem getippten "Happy Birthday" abzufinden. All das ist nun Vergangenheit. Zweifellos, asynchrone Kommunikation hat auch Vorteile aber damit habe ich nicht gerechnet.





Als ich die Apps erfolgreich von meinem Handy entfernt hatte, überkam mich schon wenige Stunden danach ein komisches Gefühl. So sehr war diese Form der Kommunikation Teil meines Alltags geworden. Ein regelrechter Entzug für mich und auch für Menschen, denen meine Nachrichten fehlten. Mit diesen teils heftigen Reaktionen hatte ich bei der Entscheidung nicht gerechnet. Mir wurde gesagt, es wäre zu anstrengend anzurufen aber die Ich-Botschaft sollte mich dennoch erreichen. Es ging also nicht mehr um Kommunikation, sondern um Information. Das wurde mir erst langsam bewußt. Vielleicht nimmt das Gefühl der Einsamkeit auch hierdurch bei so vielen Menschen zu?


Eigentlich wollte ich ein Experiment machen und für einige Zeit ohne die Messenger auskommen. Heute möchte ich nicht zurück. Mir geht es besser mit direkter und synchroner Kommunikation. Ich fühle mich viel besser und entspannter. Automatisch gebe ich weniger Fokus auf mein Smartphone und vergesse ab und an sogar zu Hause. Darüber freu ich mich, denn früher wäre ich zurück gelaufen um es zu holen. Freunde rufen mich wieder direkt an, anstatt zu tippen oder mich mit Sprachnachrichten zu bombardieren. Manchmal waren das regelrecht Podcasts in endlosen Schleifen. Mit der Zeit kam es zu mehr persönliche Treffen und spontane Ideen. Ich habe viel Zeit gewonnen und lebe präsenter. Auch werden Gespräche nicht durch Algorithmen analysiert und alles fühlt sich bodenständiger und freier an.


Austausch und Vernetzung stärken unser Resilienz und unser Selbstvertrauen. Es ist nicht für jeden nötig, sich komptet vom Applikationen zu trennen, solange die Kommunikation zu einem großen Teil persönlich und synchron bleiben kann. Ein Detox von getippter Kommunikation, kann ich uneingeschränkt empfehlen, denn es erdet und stärkt Kommunikation und Achtsamkeit.

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