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70 % der Transformationen scheitern – warum agiles Coaching allein nicht reicht

  • Autorenbild: Regine Egger
    Regine Egger
  • vor 4 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Neulich saß ich mit einer Führungskraft zusammen, die mir stolz ihr neues Transformationsprogramm vorstellte: neue Tools, ein durchdachter Zeitplan, zwei Scrum Master, ein sauberes Kanban-Board. Auf meine Frage, wie er die Menschen im Team durch diesen Wandel begleitet, kam eine kurze Pause. Dann sagte er:

„Die Methode ist doch selbsterklärend. Die Leute müssen einfach mitziehen.“

Genau in diesem Satz steckt der Grund, warum so viele Transformationen scheitern, bevor sie überhaupt richtig begonnen haben.


Die Zahl, die alle kennen – und trotzdem ignorieren


Sie ist inzwischen fast schon ein geflügeltes Wort in Unternehmen:

"70 Prozent aller Transformationsprojekte scheitern. "

Verschiedene Studien – von McKinsey über die Porsche Consulting bis zur Boston Consulting Group – kommen seit Jahren erstaunlich konstant auf solche Quoten. Und fast immer landet die Ursachenforschung beim selben Punkt: nicht die Technologie ist das Problem, sondern der Mensch. Genauer gesagt: der fehlende Raum für Veränderungsbereitschaft, für Ängste, für neue Denk- und Verhaltensmuster.



Das ist eigentlich keine neue Erkenntnis. Schon 1996 schrieb Daniel Goleman, dass ein Großteil aller Change-Initiativen an der mangelnden Berücksichtigung des Menschen scheitert. Seitdem hat sich an dieser Quote kaum etwas verändert – trotz unzähliger Change-Modelle, Frameworks und Berater:innen.


Wo agiles Coaching aufhört

Agile Methoden – Scrum, Kanban, OKRs – sind wunderbare Werkzeuge. Sie schaffen Struktur, Transparenz und Geschwindigkeit. Aber ein Werkzeug verändert noch keine Haltung. Ich erlebe das immer wieder in meinen Coachings: Menschen, die mitten in agilen Teams arbeiten, formal bestens aufgestellt – und innerlich trotzdem erschöpft, verunsichert oder blockiert sind. Die Sprints laufen, die Retros finden statt, das Framework passt auf dem Papier. Und trotzdem sitzt mir jemand gegenüber, der sich fragt, warum es sich innerlich nicht besser anfühlt.

Denn Scrum und Co. regeln, wie zusammengearbeitet wird – nicht, wie ein Mensch mit dem Tempo, dem ständigen Wandel oder dem Gefühl umgeht, nie ganz fertig zu sein. Gerade hochsensible Menschen spüren diese Lücke besonders früh und besonders deutlich: Sie merken, wenn die Methode eine Ruhe verspricht, die im Alltag nirgends ankommt. Genau da beginnt meine Arbeit – nicht am Board, sondern bei der Frage, was der- oder diejenige innerlich braucht, um in einem agilen System gesund und wirksam bleiben zu können.


Agiles Coaching optimiert Prozesse. Es beantwortet aber selten die tieferen Fragen, die eine echte Transformation braucht:


  • Wie gehen Menschen mit Unsicherheit und Kontrollverlust um?

  • Welche unbewussten Ängste bremsen Veränderung, obwohl alle „dafür“ sind?

  • Wie entsteht psychologische Sicherheit – nicht auf dem Papier, sondern im Alltag?

  • Wie bleiben besonders feinfühlige, stark reflektierende Mitarbeitende handlungsfähig, statt in Rückzug oder Überanpassung zu gehen?


Diese Fragen lassen sich nicht mit einem neuen Board lösen. Sie brauchen persönliche Begleitung – Coaching, das beim Menschen ansetzt, nicht nur beim Prozess.


Warum gerade jetzt, im Zeitalter der KI, Begleitung wichtiger wird

Je mehr Künstliche Intelligenz Arbeitsprozesse übernimmt, desto größer wird paradoxerweise die Bedeutung menschlicher Begleitung – nicht kleiner. KI kann Aufgaben automatisieren, aber sie kann niemandem die Verunsicherung nehmen, die entsteht, wenn sich die eigene Rolle im Unternehmen grundlegend verändert. Sie kann keine Vertrauenskultur aufbauen, keine echten Gespräche führen, keine Ängste auffangen.



Genau hier zeigt sich, wie wertvoll hochsensible und feinfühlige Menschen in Organisationen sind:


Sie spüren frühzeitig, wo Widerstand entsteht, wo Sinn verloren geht, wo ein Team an seine Grenzen kommt – lange bevor es in Kennzahlen sichtbar wird. Wer diese Wahrnehmung ernst nimmt und Menschen in Veränderungsprozessen wirklich begleitet, schafft die Basis, auf der Transformation überhaupt gelingen kann.


Das eigentliche Paradox: Warum wird dann ausgerechnet hier gespart?

Und trotzdem erlebe ich es immer wieder: Wenn Budgets eng werden, ist die persönliche Begleitung der Menschen das Erste, was gestrichen wird. Man investiert in Software, Lizenzen, neue Tools – und spart bei dem einen Faktor, der laut allen Studien über Erfolg oder Scheitern entscheidet.


Ein Grund dafür ist, dass sich der Nutzen von Coaching schwerer in einer Excel-Tabelle abbilden lässt als eine neue Software-Lizenz. Ein anderer Grund: Menschliche Veränderung ist unbequem. Sie lässt sich nicht in einem Sprint erledigen. Sie verlangt Geduld, Ehrlichkeit und die Bereitschaft, hinzuschauen – auch auf das, was in Führungsetagen ungern angeschaut wird. Doch genau diese Zurückhaltung ist es, die die 70-Prozent-Quote seit Jahrzehnten stabil hält.


Was wirklich gelingende Transformation braucht

Aus meiner Erfahrung als Coach für hochsensible Menschen und Führungskräfte sehe ich immer wieder: Transformation gelingt dort, wo Struktur und Menschlichkeit zusammen gedacht werden. Wo agile Methoden nicht als Ersatz für Begleitung dienen, sondern als Rahmen, in dem echte Veränderung überhaupt Platz finden kann.



Das bedeutet:

  • Coaching als festen Bestandteil des Change-Budgets zu verstehen – nicht als optionales Extra.

  • Führungskräften Raum zu geben, ihre eigene Unsicherheit im Wandel zu reflektieren.

  • Feinfühlige Menschen als Frühwarnsystem zu nutzen, statt ihre Wahrnehmung zu übergehen.

  • Zeit einzuplanen für das, was sich nicht in Prozessen abbilden lässt: Vertrauen, Sinn, echte Beteiligung.


Transformation ist kein technisches Projekt. Sie ist ein menschlicher Prozess – und genau deshalb braucht sie Begleitung, die beim Menschen ansetzt.

Wenn du spürst, dass in deinem Unternehmen oder Team genau dieser Teil zu kurz kommt – ob als Führungskraft, HR-Verantwortliche:r oder hochsensibler Mensch mitten im Wandel – lass uns darüber sprechen. Buch ein kostenfreies Erstgespräch und lass uns gemeinsam schauen, wie Veränderung bei euch wirklich gelingen kann.


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